Reisejournal
Juni 2005
Reiseroute:
Auch Vagabunden werden ab und zu vom
Ernst des Lebens heimgeholt, d. h. gewissen Notwendigkeiten und Verpflichtungen
muß nachgegangen werden und aus diesem Grunde legten wir in Tampa eine
Reisepause ein. Wir hatten einen super
Campingplatz mit allen Annehmlichkeiten und wenn es nicht so viel geregnet
hätte und die Moskitos nicht gar so aggressiv gewesen wären, dann hätten diese
arbeitsreichen Tage trotzdem recht schön sein können.
Am 1. 6. kundschafteten wir aus,
wo sich die Werkstatt für unser Wohnmobil befand, denn wir hatten für den darauf
folgenden Tag morgens um 8 Uhr einen Termin und wollten vermeiden, uns im
Berufsverkehr zu verfahren. Chuck hatte
von MapQuest die Anfahrtsbeschreibung ausgedruckt und als wir zu dem
Wohnmobilhändler mit Werkstatt kamen, waren wir äußerst überrascht, dass dies
gar kein Crossroads-Händler war und dass man dort von unserem Termin für den
nächsten Morgen überhaupt nichts wusste.
Nach längerem Hin und Her kam dann heraus, dass Chuck die
Anfahrtsbeschreibung von der falschen Werkstatt ausgedruckt hatte. Nur gut, dass wir eine Probefahrt gemacht
hatten, sonst wären wir am nächsten Morgen ziemlich dumm dagestanden. Nachdem man uns dort freundlicherweise eine
neue Anfahrtsbeschreibung ausgedruckt hatte, fuhren wir zur
Crossroads-Werkstatt und vergewisserten uns, dass dies die richtige war. Am Nachmittag beschäftigte ich mit so
unangenehmen Dingen wie Rechnungen bezahlen und dergleichen, während Chuck
ausnahmsweise mal faul war und sich vom Fernseher berieseln ließ.
Am nächsten Morgen standen wir
sehr früh auf und fuhren los. Der
Berufsverkehr war echt heftig und wir schafften es ganz knapp, pünktlich
einzutreffen. Wir ließen unser Heim auf Rädern in der Werkstatt, koppelten den
Pickup ab und nachdem wir zum Frühstück in ein Restaurant gefahren waren und uns
ein wenig die Umgebung vom Auto aus angesehen hatten, kehrten wir zur Werkstatt
zurück und verbrachten einen langen, langweiligen Tag, hauptsächlich vorm
Fernseher im klimatisierten Wartezimmer.
Ab und zu ging ich mit Lobo Gassi, aber es war zu heiß und schwül, um
lange im Freien zu bleiben. Am
Nachmittag teilte man uns mit, dass unsere Bremsen total im Eimer seien und man
müsse neue aus Michigan bestellen. (Nicht weiter verwunderlich nach der
Bremsblockade, von der wir im Mai Reisejournal berichteten.) Da alles noch unter Garantie steht, übernahm
der Bremsenhersteller die Kosten für die neuen Bremsen, wir aber übernahmen die
Kosten, die Bremsen per Flugzeug einfliegen zu lassen, da wir nicht unbedingt
drei, vier oder mehr Tage & Nächte in einer Werkstatt kampieren
wollten. Um eine Nacht kamen wir nicht
herum, aber für $119 garantierte man uns, dass die Bremsen am nächsten Morgen
um 10 Uhr vor Ort sein würden. Alle
anderen Reparaturen wurden erledigt,
unser Kühlschrankproblem wurde auf einen Designfehler geschoben, den wir
selbst korrigieren könnten, indem wir einen kleinen Ventilator in dem Außenfach
anbringen sollten, wo der Abzug für die heiße Luft aus dem Kühlschrank
ist. Der Abzug ist in der Seitenwand, statt
im Dach und da Wärme ja bekanntlich nach oben steigt, reichte ein Seitenabzug
bei der Hitze in Florida einfach nicht aus.
Wie sich später herausstellte, war das aber nicht das einzige Problem.
Man gab uns einen Schlüssel für’s
Tor und als um 18 Uhr alle heimgingen, blieben wir in unserem Wohnmobil,
aufgebockt in der Werkstatt, zurück. Wir
machten uns einen gemütlichen Fernsehabend, ich kochte uns ein schönes
Abendessen und dann gingen wir mal etwas früher ins Bett als gewöhnlich. Als wir morgens aufwachten, gab es ein
schnelles Frühstück und dann wurden wir auch schon rausgeschmissen aus der
guten Stube, denn die Bremsen waren bereits eingetroffen. Das Wetter draußen war grauselig, es goß in
Strömen, und somit fuhren wir im Pickup durch die Gegend. Wir fuhren durch kleine Ortschaften, östlich
von Tampa und als wir einen Gemüsestand am Straßenrand entdeckten, hielten wir
an und kauften eine Honigmelone, Kirschen, Zucchini und alles mögliche
Salatzeug, frisch vom Bauern. Dann
kehrten wir zur Werkstatt zurück und alles schien bereit für unsere
Abfahrt. Damit der Tisch während der
Fahrt nicht am Unterschrank von der Küche reibt, klemme ich immer ein Stück
Schaumgummi dazwischen, wenn ich den Erker einfahre. Der Erker war bereits eingefahren, aber der
Schaumgummi lag noch auf dem Tisch. Ich
wollte den Erker nur einen Zentimeter ausfahren, um den Schaumgummi an seinen
vorbestimmten Ort zu platzieren, aber es kam nur ein lautes Rattern, als ich
auf den Schalter drückte. Nichts bewegte
sich! Ich holte Ed, unseren Mechaniker,
der alle Reparaturen gemacht hatte und zeigte ihm, was los war. Mann, wäre ich sauer gewesen, wenn wir auf
den Campingplatz zurück gefahren wären und wir hätten den Erker nicht ausfahren
können!! Ed hatte irgendwie Mist gebaut,
gab dies auch zu und brachte alsbald alles in Ordnung. Dann konnten wir endlich losfahren und wir
kehrten zu unserem Stellplatz zurück. Am Tor zum Airforce Base wurden wir ziemlich
gefilzt, aber das war uns egal.
Die
nächsten Tage waren Arbeitstage. Am
Sonntag kam Chucks Bruder zu Besuch und diesmal habe ich ihn „bekocht“, statt
er uns.
Am Montag kümmerte sich Chuck um
einen Termin bei einem Dermatologen , weil er eine sich ziemlich schnell
ausbreitende Läsion auf dem Rücken hatte.
Da er erst für den 16. Juni einen Termin bekommen konnte, entschlossen
wir uns, bis zum 18. 6. zu verlängern
und beschafften uns ein Postfach, damit uns Michael unsere Post nachschicken
konnte. Lobo hatte am Dienstag seinen
Tierarzttermin wegen des Geschwürs auf seiner Unterseite. Der Tierarzt meinte, man solle es entfernen,
insbesondere da wir nicht wissen, wie schnell es seine derzeitige Größe
erreicht hat. Voriges Jahr, als ich ihm
seinen Sommerhaarschnitt gab, war noch nichts da. Ein Jahr später, beim diesjährigen
Haarschnitt, ist es mehr als pflaumengroß. Wir wissen nicht, ob es gleich anfing zu
wachsen, als voriges Jahr sein Fell nachwuchs und es erst ganz langsam die
jetzige Größe erreicht hat, oder ob es erst vor kurzem begann, sich aber sehr
schnell vergrößerte. Wenn es ein schnell wachsendes Geschwür
sein sollte, dann wäre es besser, es wird bald entfernt, bevor es sich im
Gewebe verankert. Im Moment sitzt es noch lose oben drauf.
Wir werden es in Fort Wayne machen lassen, denn sonst hätten wir noch länger in Florida bleiben müssen,
wegen postoperativer Behandlung, Fäden ziehen und so weiter.
Auf Lobos Rücken haben wir noch
eine Stelle entdeckt, die nicht ganz so ist, wie man das gerne hätte.
Am Mittwoch hat Chuck unser
rollendes Heim von oben bis unten gewaschen, da hatten wir ab und an noch etwas
Sonnenschein, aber gegen Ende der Woche verschlechterte sich das Wetter
zusehends. Die Florida Sturmsaison hatte
begonnen und im Golf von Mexiko braute sich ein Hurrikan zusammen, der Unmengen
von windgepeitschtem Regen vor sich her schob und auf uns schüttete (siehe Fotos). Wir saßen Stunden um Stunden im Wohnmobil,
arbeiteten an unserem Reisebericht, schrieben E-mails und sahen fern, während
vor unserem Fenster die Palmen vom Wind gebeutelt wurden und das Wasser wie aus
Kübeln gegossen an den Fensterscheiben runter lief. So ganz wohl ist es einem da nicht in seiner
Haut, wenn das „Haus“ anfängt im Wind zu wackeln!
Der Hurrikan zog in einiger
Entfernung an uns vorbei und das Wetter verbesserte sich. Unsere Tage bis zu Chucks Hautarzttermin
verliefen ohne weitere unangenehme Zwischenfälle, unser Kühlschrank schien zu
funktionieren und wir verbrachten die Zeit mit Spaziergängen im tropischen Wald
(wo uns die Moskitos fast auffraßen), Strandbesuchen (wo wir in der lauwarmen Brühe
des Tampa Bay wenig Erfrischung fanden), Auto putzen, Wäsche waschen,
Einkaufen, Kochen, Brot backen und dergleichen anderes mehr. An einem Tag fuhren wir zu Camping World, um
ein paar Einkäufe zu erledigen und dort nahmen wir an einer Verlosung teil, wo
wir 3 freie Nächte im „Thousand Trails“ Camping Ferienland und einen $ 50
Gutschein für Camping World bekommen würden, zusätzlich zur regulären
Verlosung. Da „Thousand Trails“ ganz in
der Nähe von Disney World liegt, dachten wir, wir machen uns den Spaß. Man muß dann zwar eine „Werbevorführung“ über
sich ergehen lassen, denn die wollen ja, dass man Mitglied wird, aber das
dauert nicht lange und ist auch nicht weiter schlimm.
Das Highlight der Woche war ein
Besuch im „Schnitzelhaus“
(bitte anklicken), wo ich zu meiner übergroßen Freude, und das allererste mal
in USA überhaupt, Wildbraten auf der Speisekarte vorfand. Mike Jacobi, unser Wirt, servierte uns ein
tolles Abendessen (Chuck hatte das Schnitzel bestellt, ich natürlich den
Wildbraten) und wir unterhielten uns lange mit ihm. Herr Jacobi ist viel herumgekommen in der
Welt, war u. a. auch mal Taxifahrer in München und lebt seit über 20 Jahren mit
seiner malaysischen Frau in USA. Das
Essen war das Beste, das ich auf dieser Seite des Atlantiks je in einem
deutschen Restaurant gegessen habe. Ich
habe es Herrn Jacobi auch gesagt, dass er mit seinen Kochkünsten nun Platz No.
1 einnimmt in unserer persönlichen Bewertungsliste deutscher Restaurants in
USA. Vorher war es der Ratskeller in
Indianapolis, der nun, was das Essen angeht, auf Platz 2 abgerutscht ist. So arg viele deutsche Restaurants gibt es in
USA eigentlich gar nicht, wenn man bedenkt, wie stark die chinesischen,
italienischen und mexikanischen Restaurants vertreten sind. Da freuen wir uns natürlich schon, wenn wir
ab und zu eins entdecken und wenn es zeitmäßig passt, dann probieren wir es
auch aus.
Am 16. Juni hatte Chuck seinen
Hautarzttermin und es wurden einige Hautwucherungen und „Erhebungen“ auf seinem
Rücken entfernt. Alle, bis auf eines
oben auf der Schulter, erschienen dem Arzt unbedenklich. Der Laborbefund des fragwürdigen Teils wird
uns nach Fort Wayne nachgeschickt.
Nachdem wir unsere Zelte am 18.
Juni (Samstag) in Tampa abgebrochen hatten, fuhren wir in Richtung Orlando, um
unsere 3 freien Nächte bei „Thousand Trails“
(bitte anklicken) abzufeiern. Es erwies
sich als ein sehr schönes Campinggebiet mit vielen Annehmlichkeiten
(bitte anklicken) aber an Timeshare-Mitgliedschaften sind wir nicht
interessiert.
Am Sonntag fuhren wir zu Disney
World und verbrachten herrliche Stunden im Epcot Center.
Hier einige Fotos unserer
Erlebnisse.
Im Wirtshaus des deutschen Dorfes
gab es ein ausgiebiges Büffet, wo von der Laugensemmel über’s Blaukraut,
Sauerkraut, Schnitzel, über die Schweinshaxe, Spätzle und den Kartoffelsalat,
etc. bis hin zur Schwarzwälder Kirschtorte ein recht ordentlicher Querschnitt
durch die deutsche Küche angeboten wurde.
Die Bierauswahl war gut und die Musikkapelle hat sich auch nicht lumpen
lassen, wenn man denn ein Fan von Blasmusik ist (die Musiker waren Deutsch
sprechende Amerikaner). Ich hatte
irgendwo gelesen, dass die Angestellten der internationalen Dörfer im Epcot
Center alle aus den entsprechenden Ländern kommen und habe unsere Bedienung gefragt,
wie das denn so funktioniert habe, mit ihrem Job in Florida. Sie erzählte, dass sie arbeitslos war und in
Deutschland zum Arbeitsamt gegangen sei und dort hatte Disney Arbeitsstellen
für Disney World, Florida ausgeschrieben.
Sie hat sich beworben und den Job für ein Jahr bekommen, mit der Option
zu verlängern. Scheinbar konnten die
deutschen Arbeitsämter nicht genug Blasmusikanten für Florida auftreiben und da
mussten dann die eigenen Leute einspringen.
Am Abend kamen wir in den Genuss eines
wirklich spektakulären Feuerwerks im Epcot Center.
ï (Bitte anklicken)
Montag morgen mussten wir die Werbevorführung
am Campingplatz über uns ergehen lassen, aber als der Mann merkte, dass wir
wirklich nichts damit zu tun haben wollten, lies er uns schnell wieder
laufen. Er war sehr nett und sah ein,
dass so etwas nicht für jeden ist. Um
den Schein vor seinem Chef zu wahren, fuhr er uns mit seinem Golfwägelchen
durch die Anlage und zeigte uns alles, aber wir unterhielten uns mit ihm über
andere Dinge und dann war der ganze Spuk auch schon vorüber. Wir packten Lobo in den Pickup und machten
eine Spazierfahrt. Unterwegs hielten wir
an und gingen mit Lobo in einem Fichtenwäldchen spazieren. Ab und zu sahen wir eigenartige Rohre, die
aus dem sandigen Boden heraus ragten und wir rieten hin und her, wozu die wohl
dienen mochten. Einige waren abgebrochen
und das machte alles noch rätselhafter.
Auf dem Waldboden wuchsen zum Teil wunderschöne, fremdartige Pflanzen
und eine Blüte hatte es mir ganz besonders angetan und ich fotografierte sie:

Plötzlich
entdeckten wir ein paar Orangenbäume in unserem Fichtenwald und damit löste
sich das Rätsel der Rohre: wir befanden
uns in einem ehemaligen Orangenhain. An
den Bäumen hingen viele große Orangen und wir pflückten, soviel wir tragen
konnten. Manche schmeckten ziemlich herb
und zum essen taugten sie nicht, denn sie hatten mehr Kerne, als wir je zuvor
in einer Orange gesehen hatten. Aber ich
machte Orangensaft daraus und es war für uns „Nordlichter“ schon etwas
Besonderes, Saft aus selbst gepflückten Orangen, von eigentlich wild wachsenden
Orangenbäumen, zu machen. Am Abend gab
es noch ein starkes Gewitter und am nächsten Morgen brachen wir auf zum Kennedy
Space Center, wo wir uns das Space Shuttle auf der Abschussrampe anschauen
wollten. Mit dem Privatfahrzeug durfte
man nicht so nahe ran, man sollte mit dem Bus vom Besucherzentrum aus
hinfahren. Die Busfahrten für $22 pro Person waren schon alle ausverkauft,
sagte man uns. Nur wenn man die
Kombinationstickets (zu knapp $ 60 pro Person) kaufte und sich vor der Busfahrt
alle möglichen Filme anschaute und sonstigen Blödsinn, der uns überhaupt nicht
interessierte und nur dazu beizutragen schien, den Touristen mehr Geld aus der
Tasche zu ziehen, hatte man noch Gelegenheit zur Abschussrampe zu kommen. Wir waren ziemlich sauer, denn Filme von der
Sache kann man sich auch zuhause anschauen, da muß man nicht zum Kennedy Space
Center fahren! Wir lehnten dankend ab
und schauten uns die Sachen an, wo man auch ohne Busfahrt hin konnte (siehe Fotos). Anschließend fuhren wir auf der I-95 in
Richtung Georgia und sahen auf einer 10 km langen Strecke im nördlichen Florida
während eines starken Gewitters mindestens 15 z. T. ziemlich schlimme Unfälle
auf beiden Seiten der Autobahn. Wir
kamen Gott sei Dank unbeschadet durch.
Kurz nachdem wir Georgia erreichten, machten wir an einem „Travel Plaza“
halt und verbrachten die Nacht dort. Am
nächsten Morgen haben wir ausgeschlafen, gemütlich gefrühstückt und um halb
eins sind wir bei strahlendem Sonnenschein weitergefahren. Wir wechselten uns mit dem Fahren ab und
dieser Tag brachte uns bis South Carolina, wo wir auf der I-26 an der Ausfahrt
nach Prosperity wieder auf einem „Travel Plaza“ übernachteten. Da unser Dometic Kühlschrank nun schon
mehrere Tage auf Propangas lief und nicht mehr richtig kühlte, wurde uns klar,
dass unsere Kühlschrankprobleme noch immer nicht gelöst waren. Bei Strom funktionierte alles wunderbar, nur
bei Gas wollte er nicht so recht. Im Internet
suchten und fanden wir einen Dometic Händler nebst Werkstatt bei Camping World
in Spartanburg, South Carolina, etwa 90 km weiter auf unserer Strecke. Wir riefen dort an und ließen uns für den
nächsten Morgen einen Termin geben. Wir
verbrachten den Nachmittag und die Nacht auf dem Parkplatz vor Camping World,
aber die für Kunden frei zur Verfügung gestellten Strom- und Wasseranschlüsse
waren in ziemlich desolatem Zustand. Am
Abend nach Geschäftsschluss leerte sich der Parkplatz und wir kamen endlich an
einen Anschlusspfosten ran, wo alles funktionierte. Ein paar Stunden später bekamen wir
Gesellschaft und als die Leute des anderen Wohnmobils sich an unseren
Stromkreis hängten, flog prompt irgendwo im Gebäude eine Hauptsicherung raus
und das war das Ende unserer Netzstromversorgung. Aber wir hatten Wasser und Abfluss, somit
duschten wir ausgiebig. Im Notfall
hätten wir für die Klimaanlage auch den Generator anschmeißen können, aber es war eine angenehm temperierte Nacht
und es war gar nicht nötig. Unser
Reparaturtermin am nächsten Morgen brachte endlich Klarheit, warum unser
Kühlschrank nicht kühlte, wenn er auf Gas lief: im Abzugsschacht fehlte eine
Heißluftablenkblende. Sie hatten zwar
kein neues Ersatzteil dieser Art vorrätig, aber die Blende aus einem alten
Dometic Kühlschrank wurde eingebaut und schon nach kurzer Zeit war eine
merkliche Temperatursenkung im Kühlfach zu verzeichnen. Da die fehlende Blende auf einen
Installationsfehler des Wohnmobilherstellers und nicht auf ein Manko des
Kühlschrankherstellers zurückzuführen war, mussten wir die Reparatur erst mal
selbst bezahlen, denn Camping World ist nur für Dometic Produkte zuständig,
nicht aber für Crossroads Produkte.
Crossroads ist immer sehr bemüht, all unsere Beanstandungen zu unserer
Zufriedenheit zu erledigen (und wir hatten ja einige bisher!!). Auch diesmal ging man auf unser Gesuch nach
Rückerstattung ohne Widerspruch ein.
Crossroads hat ziemlich viel Mist gemacht, als sie unser Wohnmobil
gebaut haben, aber ihre Bemühungen im Nachhinein alles wieder gut zu machen,
sind wirklich bemerkenswert!
Unsere Fahrt konnte gegen 12:30
Uhr fortgesetzt werden. Auf der I-26
ging es bis Asheville, North Carolina.
Dann auf der I-40 durch die Smoky Mountains zum Foothills Parkway
(US-321) in Tennessee und weiter nach Gatlinburg. Gatlinburg ist wunderschön gelegen, in einem
Tal der Smoky Mountains. Es wirkt sehr
europäisch durch die Bauweise seiner Häuser und Gebäude, und den vielen
Blumenkästen an Fenstern und Geländern.
Leider war es sehr von Touristen überlaufen. Auf der US-441 zurück zur I-40 verwandelte
sich unsere Umgebung drastisch.
Touristen gab es immer noch en masse aber nichts wirkte mehr
europäisch. Es glich eher alles einem
Jahrmarkt, mit Achterbahnen, Karussellen, Schießbuden, Wasserrutschen,
Go-Kartbahnen und Minigolfplätzen am Straßenrand. Schrecklich!
Bei Knoxville fuhren wir über die I-640 zur I-75 Nord. An der Abzweigung hatte ein schlimmer Unfall
stattgefunden mit mehreren umgestürzten Fahrzeugen und einem Schulbus. Eine Gruppe Kinder wurde von der Polizei
abgesichert und viele Rettungsfahrzeuge waren vor Ort. Wir sehen so viele Unfälle, manche schlimm,
manche nicht so schlimm und es wird mir immer wieder bewusst, wie froh wir sein
sollten, wenn wir abends anhalten und noch ganz heil sind! Nun, unser Tag war noch nicht ganz vorüber
und so ganz unbeschadet sollten wir diesmal nicht davon kommen. Kurz vor der Tennessee / Kentucky Grenze
platzte uns ein Reifen am Wohnmobil.
Chuck wollte erst mal selbst versuchen den Reifen zu wechseln, da es
hier meistens sehr lange dauert, bis jemand erscheint, wenn man den
Straßendienst des Automobilclubs anruft.
Es lief auch alles relativ glatt, die Polizei erkundigte sich erst nach
unserem Wohlergehen, als wir fast fertig waren und dann fuhren wir weiter bis
Williamsburg, Kentucky, wo wir übernachteten und am nächsten Morgen
herumtelefonierten, um einen passenden Reifen zu finden. In Barbourville, etwa 30 km von unserm
Standort entfernt, wurden wir fündig.
Wir fuhren hin, ich ging mit Lobo spazieren, während Chuck den neuen
Reifen aufmontieren ließ und dann sperrte ich ungewollt per Fernbedienung Chuck
aus dem Pickup und er konnte nicht mehr ins Auto. Handy und Schlüssel waren im Fahrzeug. Lobo
und ich waren im Wald. Dies gab Chuck
die Gelegenheit auszuprobieren, ob das „Onstar“ System, das General Motors in
seine Fahrzeuge einbaut und mit dem sie so viel Reklame machen auch
funktioniert. Er rief vom Telefon des
Reifenhändlers bei Onstar an, teilte ihnen mit, dass seine Schlüssel ins
Fahrzeug gesperrt sind und innerhalb weniger Minuten wurden die Türen über GPS
per Fernbedienung entriegelt. Feine
Sache, nur mir hätte es wahrscheinlich nicht viel genützt, denn ich hätte das
Passwort nicht gewusst. Nachdem die
Reifengeschichte aus der Welt geschafft war, ging’s weiter in Richtung
Falmouth, Kentucky.
Wir kamen einen Tag zu früh in
der Nähe von Chucks Heimatort an, d. h. es war Samstag und wir hatten es auf
einen bestimmten Stellplatz auf dem Kincaid See Campingplatz abgesehen. Am Wochenende ist der Campingplatz zu dieser
Jahreszeit immer sehr voll, somit entschlossen wir uns, noch eine Nacht „wild“
zu campen. 12 Uhr mittag ist am Kincaid
See Campingplatz die Uhrzeit, um die man am Abfahrtstag seinen Stellplatz
räumen muß. Kurz nach 12 Uhr trafen wir
ein und unser gewünschter Platz war gerade frei geworden. Gut geplant!
Der Nachmittag diente zum Aufbau und Hausputz, den Abend verbrachten wir
mit Lesen und Fernsehen. Am nächsten Tag
kam die große Wäsche dran und dann gönnten wir uns etwas Pause, während wir auf
Chucks Klassentreffen am 2. Juli warteten.
Mit Besuchen bei Chucks Geschwistern in Falmouth und Umgebung und einer
Restauranteinladung von Chucks Bruder Tom und seiner Frau Susan zum Abendessen
bei „Ruby Tuesday“ ging der Monat Juni zu Ende.
Fortsetzung folgt, sobald es wieder etwas Neues zu berichten
gibt.
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