Reisejournal
Juli 2005
Reiseroute:
Den 1. Juli verbrachte
ich damit, an unserem Juni Reisebericht zu arbeiten, während Chuck zum Friedhof
in Falmouth ging, um Blumen auf’s Grab seiner Eltern zu stellen. Am nächsten Tag fand das Schultreffen von
Chucks Highschool statt, welches der Hauptgrund unseres längeren Aufenthalts in
Kentucky war. Das Treffen war eine groß
aufgezogene Angelegenheit mit Mittagessen, Besuch des Musicals „Oklahoma“ am
Nachmittag, Abendessen und anschließender Ehrung von ein paar steinalten Lehrern,
die sich eingefunden hatten, sowie verstorbenen ehemaligen Lehrern und
Mitschülern. Danach spielte ein
Discjockey Oldies und forderte alle zum tanzen auf, aber außer ein paar mutigen
älteren Damen, die miteinander das Tanzbein schwangen, blieb die Tanzfläche
weitgehend leer. Chucks Highschool wurde
1968 bei einer anderen Highschool mit eingegliedert, was bedeutet, dass die
letzten Absolventen dieser Schule, die damals 17 oder 18 Jahre alt waren, bei diesem Treffen mit 54/55 Jahren die
jüngsten Teilnehmer waren. Chuck kannte
nur noch ganz wenige davon, höchstens 10 Personen und die paar, die er gehofft
hatte wieder zu sehen, waren abwesend.
Aber er war froh, dass er mal an so einem Treff teilgenommen hat und
damit die eine oder andere Jugenderinnerung auffrischen konnte. Die Treffen dieser seit 37 Jahren nicht mehr
existierende Schule finden alle 5 Jahre statt und werden wohl altersbedingt
nach den nächsten 4 oder 5 Treffen einschlafen und für immer der Vergangenheit
angehören.
Am Sonntag fuhren wir
mit Chucks ältester Schwester nach Newport, um dort das „Hofbräuhaus“
zu besuchen, das dort 2003
seine Tore öffnete. Das Hefeweizen war
gut, die Umgebung recht
gemütlich, besonders im Nebenraum, das Essen aber ziemlich mäßig. Nachdem wir gesättigt waren, holten wir Lobo
aus dem Auto und sind mit ihm über die „Purple People
Bridge“ (= „Lila Leute Brücke“) über den Ohio Fluß nach Cincinnati hinüber
gelaufen. Es war ziemlich heiß und
deshalb kein richtiges Vergnügen. Am
Abend haben wir Chucks andere beiden Schwestern besucht, um uns von ihnen zu
verabschieden und den 4. Juli Nationalfeiertag habe ich mit Packen verbracht,
während Chuck den Junireisebericht ins Englische übersetzte. Um 13 Uhr am 5. Juli
waren wir wieder unterwegs in Richtung Indiana.
Wir hielten uns hauptsächlich auf der US-27, einer gut ausgebauten
Landstrasse, die von Fort Wayne, Indiana bis Fort Lauderdale, Florida runter
geht. Wir haben schon etliche Kilometer
auf ihr verbracht, von Florida bis Indiana sind wir immer wieder auf sie
gestoßen und wenn wir das Autobahn fahren leid waren, dann wichen wir öfters
mal auf die US-27 aus. Man kommt zwar
langsamer voran, aber es ist interessanter, denn oftmals geht sie mitten durch
die Ortschaften durch. In Geneva, Indiana
haben wir auf dem „Amishville“ Campingplatz übernachtet, nachdem wir auf dem
Weg von der Hauptstraße zum Campingplatz noch eine kleine Auseinandersetzung
mit zwei Amish Männern hatten. Der Campingplatz war ein paar Kilometer von
der Hauptstraße entfernt und auf der Zufahrtstrasse sahen wir plötzlich eine gedeckte Holzbrücke in einiger Entfernung
vor uns. Wir bekamen einen mords
Schreck, denn wir sind mit unserem Gespann viel zu hoch für so eine
Brücke. Wir konnten nicht erkennen, ob
die Straße durch die Brücke durch ging oder an ihr vorbei. Chuck fuhr auf einen offenen Platz linker
Hand der Landstrasse, wo er gegebenenfalls umkehren konnte. Ich stieg aus, um zum Auskundschaften zur
Brücke vorzulaufen. Plötzlich kamen die
erwähnten Amish Männer angerannt und ich dachte, ich spare mir den Weg zur
Brücke und frage die beiden einfach, ob
die Straße durch die Brücke geht, oder an ihr vorbei. Sie meinten, die Straße ging nicht durch die
Brücke und ich wollte mich gerade für die Auskunft bedanken und wieder ins Auto
steigen, als die beiden anfingen mit uns zu wettern, weil wir auf ihrem
Grundstück umkehren wollten. Der Belag
sei so teuer gewesen und nun würden alle Leute darauf umkehren und ihn
beschädigen. (
Komischer Belag!) Wir erklärten ihnen, warum, entschuldigten uns,
dass wir es gewagt hatten, ihr
Grundstück als möglichen Wendeplatz gewählt zu haben und schauten, dass wir
fort kamen. Der Campingplatz war recht
ordentlich, nur leider schloss das Restaurant bereits um 19 Uhr, was wir
allerdings nicht wussten. Wir wollten
einen kleinen Abendspaziergang machen und dort zu Abend essen, kamen aber nur
noch rechtzeitig, um zu sehen, wie die Tür vor unserer Nase zugesperrt
wurde. Wir kehrten unverrichteter Dinge
zurück und ich brutzelte uns eine Kleinigkeit zusammen, damit wir nicht mit
knurrenden Mägen ins Bett gehen mussten.
Am nächsten Tag (6. Juli) gegen 13:30 Uhr trafen wir wieder bei Michael
ein und verbrachten den Rest des Monats mit ihm und den Kindern. Außer einer Fahrt nach Elkhart zu
Campingworld, wo wir unseren $ 50 Gutschein einlösten, den man uns zugeschickt
hatte, weil wir uns in Florida einen Timeshare Campingplatz angeschaut
hatten. Als wir bei Campingworld über
den Parkplatz gingen, hatte jemand seinen Schäferhund bei verschlossenen Türen
und Fenstern, ohne laufende Klimaanlage ins Auto gesperrt und in der prallen
Sonne geparkt. Die Temperaturen an
diesem Tag lagen über 35°C. Wir hätten
ihn wahrscheinlich gar nicht bemerkt, wenn er nicht Lobo und Michaels Hund,
Ruby, angebellt hätte, als wir mit ihnen an dem Wagen vorbei gingen. Wir forderten die Damen an der Rezeption auf,
den Besitzer ausfindig zu machen und erklärten die Situation. Die beiden Frauen waren äußerst empört, dass
jemand so grausam zu seinem Hund sein konnte.
Sie ließen auch keinen Zweifel aufkommen, was sie davon hielten, als sie
ihren Aufruf über den Lautsprecher sandten.
Eine der beiden Frauen drehte sich zu mir um und meinte, wenn in 2
Minuten niemand zur Stelle sei, das Tier raus zu lassen, würde sie die Polizei
anrufen.
Es kam aber gleich eine Frau, die
uns alle etwas blöd und leicht verschämt angrinste und meinte, der Hund sei
schon okay, als sie an uns vorbei ging, um das hechelnde Tier aus dem heißen
Fahrzeug zu holen.
Die Kinder durften sich bei
Campingworld jedes ein kleines Geschenk von uns aussuchen und Keith hat ein
Modellspielzeugwohnmobil gewählt, an dem man eine Seite und das Dach abnehmen
kann und die Einrichtung umstellen kann. Gleich als wir von Elkhart
zurückkamen, hat er sich bei uns im Wohnmobil an den Tisch gesetzt und
versucht, seines so einzurichten, wie unseres. (Ging leider nicht ganz genau,
da die Türen und Fenster anders angebracht sind, aber das beeinträchtigte seine
Begeisterung in keiner Weise.)
Katja hat sich ein
Mexikanisches Zugspiel, ein recht ungewöhnliches Spiel mit Dominosteinen,
ausgesucht und wir alle haben schon viel Spaß damit gehabt.
Unsere Tage in Fort Wayne sind
immer mit viel Arbeit verbunden. Nebst Babysitting und der normal anfallenden
Hausarbeit müssen wir dieses mal unser Wohnmobil ausmisten und Gewicht lassen,
denn nachdem uns ein Mechaniker in Florida des Übergewichts beschuldigt hatte,
haben wir uns an einem Truckstop wiegen lassen.
Der Mann hatte Recht und wir hatten um die 900 kg zuviel Gewicht. Nun arbeiten wir daran, unsere Ladung zu
reduzieren. Leider kann ich nun all
meine Bücher, die ich unterwegs lesen wollte, nicht mehr mitnehmen, aber ich
versuche hier ab und zu eine Lesephase einzuschieben. Eine Menge anderer Dinge
müssen ebenfalls zurück bleiben, wenn wir wieder los fahren. Zwischendurch haben Chuck und Michael Keiths
Zimmer gestrichen und ich habe mich um das Drum und Dran gekümmert: Fenster
putzen, Vorhänge waschen, Möbel wieder einräumen, Bilder und Poster aufhängen,
etc.
Der Juli brachte entsetzliche
Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit über den mittleren Westen der USA und es gab
Todesopfer. Erst gegen Ende des Monats
und nach einigen Unwettern wurde das Wetter wieder halbwegs erträglich.
Fortsetzung folgt, sobald es wieder etwas Neues zu
berichten gibt.
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