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| Reisebericht Februar 2006 |
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Der Februar ist ja bekanntlich der kürzeste Monat des Jahres und er verging auch wie im Fluge für uns. Leider waren die meisten unserer Ausflüge entweder zum Arzt, Augenarzt, zu irgendwelchen medizinischen Untersuchungen oder Ernährungskursen für Diabetiker. Ach ja, und den Zahnarzt wollen wir nicht vergessen. Viele Bücher wurden schon geschrieben über den Südwesten der Vereinigten Staaten. Vielleicht sollten wir eines schreiben mit dem Titel „Die Ärzte des Südwestens“. Das wäre mal ein ganz anderes Thema mit der gleichen Geografie. Ganz so hatten wir uns unseren Aufenthalt hier eigentlich nicht vorgestellt. Aber die Instandhaltung des körperlichen Wohlbefindens geht nun mal vor und wenn es mit der Gesundheit nicht so gut steht, dann kann man alles andere auch nicht so richtig genießen. Nichtsdestotrotz haben wir für den Monat Februar doch das eine oder andere zu berichten. Am ersten Samstag des Monats machten wir sehr früh am Morgen einen Ausflug zum Flohmarkt in Las Cruces. Weniger als Kunden, sondern eher um unsere Metallbox vom Pickup zu verkaufen. Annoncen hatten uns keine Interessenten beschert und somit wollten wir versuchen, sie auf diesem Weg loszuwerden. Wir hatten die Box mit einer niedrigeren Version ersetzt, da wir bei einem Parkmanöver auf unebenem Gelände damit gegen unseren Auflieger gestoßen waren. |
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| Der Rio Grande bei San Antonio, NM |
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| (Bitte Bilder anklicken, um sie zu vergrößern). |
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Kein größerer Schaden war dabei entstanden, aber wir wollten es nicht darauf ankommen lassen, dass beim nächsten mal vielleicht mehr passieren würde. Während Chuck bei herrlichem Sonnenschein und ziemlicher Kälte auf dem Flohmarkt herumstand, fuhr ich ins Einkaufszentrum, wo mich unser Freund, Dick Farmer, gerade auf dem Handy erreichte, als ich ziemlich unbekleidet in einer Umkleidekabine stand. Er wollte sich am Nachmittag mit uns im Aguirre Springs Park treffen und ich nahm seine Einladung, abhängig vom raschen Verkauf der Pickup-Box, an. Kurz darauf rief Chuck mit der erfreulichen Nachricht an, dass die Box den Besitzer gewechselt hatte und ich holte ihn ab, um zum Park zu fahren. Dick war schon da, das Lagerfeuer loderte und wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag am Fuß der Organ Mountains. Am 8. Februar war mein Geburtstag und nachdem mich viele liebe Gratulanten den Vormittag über per Telefon beglückwünscht hatten und ich in einem Blumenmeer fast verschwand (siehe Fotos), fuhren wir am Nachmittag nach Las Cruces, wo Dick Farmer uns eingeladen hatte, um meinen Geburtstag zu feiern. Im Club Haus des Golfplatzes der New Mexiko State University aßen wir herrlich zu Abend (das Mahl entsprach nicht ganz den Diabetikervorschriften) und danach sahen wir den Film „Capote“ in einem uralten Kino in Old Mesilla, das sonst größtenteils ausländische Filme im Originalton mit Untertiteln zeigt. Das Besondere an diesem Kino ist, dass hinten im Saal Tische und Stühle stehen, wo man während der Vorstellung essen und trinken kann. Chuck und Dick haben Eis gegessen und ich habe Tee getrunken. Der Film war gut, nur war der Hauptdarsteller (Philip Seymour Hoffman) schlecht zu verstehen, weil er zu stark versuchte, die Spracheigentümlichkeiten von Truman Capote nachzuahmen. Es war schon spät, als wir an diesem Abend zu unserem Heim auf Rädern zurückkehrten. Am nächsten Morgen fuhren wir (ohne Wohnmobil) nach Tucson, Arizona zu unseren Freunden Bea (Beatrice) und Phil. Bea ist eine ehemalige Arbeitskollegin von mir. Sie ist seit ihrer Kindheit blind und hat Phil an der Blindenschule in Alamogordo kennen gelernt, wo er vor vielen Jahren unterrichtete. Bea ist gebürtige Mexikanerin, ehemals katholisch; Phil ist Jude und Sohn sehr religiöser Eltern. Allem zum Trotz, die beiden sind seit vielen Jahren glücklich miteinander verheiratet, haben einen Sohn und eine Tochter und wir sind seit über 25 Jahren mit ihnen befreundet. Als wir in Las Cruces wohnten, haben sie uns gegenüber ein Haus gebaut und obwohl wir dann in entgegen gesetzte Richtungen abwanderten, haben wir nie den Kontakt zueinander verloren. Sie haben uns auch einmal in Deutschland besucht. Unser Besuch in Tucson war eine willkommene Abwechslung. Gegenseitige Einladungen zu verschiedenen guten Restaurants, lange Gespräche, Austausch alter Erinnerungen und gemütliches Beisammensein trugen zu einem gelungenen Wochenende bei. Auf dem Rückweg von Tucson, Arizona nach Alamogordo, New Mexiko machten wir in Steins, einer Geisterstadt und ehemaligen Eisenbahnersiedlung (siehe Fotos) Halt. New Mexiko hat viele Geisterstädte, Steins ist eine der besser erhaltenen. Leider konnten wir die Gebäude nicht von innen besichtigen. Es war niemand da, der uns Einlass gewährt hätte. Geisterstädte haben uns schon immer fasziniert und so lange wir hier sind, werden wir uns noch einige ansehen. Nach unserer Rückkehr von Arizona packte uns der Alltag wieder, was momentan Arztbesuche und dergleichen bedeutet. Für den 16. Februar hatten wir ein Treffen mit Gloria, einer ehemaligen Kollegin, in White Sands vereinbart (siehe Fotos). Wir haben sie zum Essen eingeladen und danach haben wir noch versucht, ein paar andere Ehemalige zu besuchen, aber einige konnten wir nicht antreffen. Das wollen wir ein andermal nachholen. -- White Sands hat sich schwer heraus gemacht, seit wir 1989 weg sind. Viele neue Gebäude, eine herrliche Bibliothek, wo jeder sein eigenes Büro mit schönen, geschmackvollen Büromöbeln hat. Ein ziemlicher Unterschied zu den Verhältnissen, als ich dort arbeitete. Auch die Gebäude, in denen Chuck damals arbeitete, wurden zwischenzeitlich renoviert und mit ordentlichen Büromöbeln versehen. White Sands hat auch einen kleinen Campingplatz. Wir wollen sehen, ob wir dort nicht irgendwann einen Stellplatz bekommen können. Der Campingplatz ist wunderschön am Fuß der Organ Mountains gelegen. Auf der Rückfahrt von White Sands sind wir zum Oliver Lee State Park gefahren und haben dort in einem Cañon einen schönen Spaziergang mit Lobo gemacht. Es gab viel Neues zu beschnüffeln und zur Abwechslung hatten wir mal das Gefühl, dass er dieses Gassi genoss. Das kommt in letzter Zeit sehr selten vor. Seinen 11. Geburtstag am 19. Februar feierte er mit einem Rindergulasch, das ich extra für ihn gekocht hatte. Da er seit Januar auch eine Diät einhalten muss, war das schon etwas ganz besonderes für ihn! Wie wir kurz danach erfuhren, ist Elli, Lobos Mama, an Lobos Geburtstag gestorben. Nun ist er Vollwaise. Auch Elli ist nur 12 Jahre alt geworden, genau wie Chino, sein Vater. Nachdem wir 3 Monate auf dem Campingplatz von Holloman Airforce Base verbracht hatten, brachen wir am 21. Februar unser Camp dort ab und fuhren mit Umweg über Albuquerque nach Columbus, New Mexiko direkt an der Grenze nach Mexiko (siehe Reiseroute). In Albuquerque besuchten wir mal wieder einen Crossroadshändler, um ein Problem mit einer Stoßdämpferhalterung aus der Welt schaffen zu lassen. Dann ging es wieder Richtung Süden. In Lemitar, einem kleinen, 200 Seelennest südlich von Albuquerque, hielten wir an, um ein Sandwich zu kaufen. Kein normales Sandwich, sondern eins, das „neu erfunden“ wurde und patentiert werden soll . Chucks Schwester hatte uns einen Artikel aus FORTUNE Small Business zugesandt, über eine Firma in Lemitar, die eine neue Verpackung für vorgefertigte Sandwiches erfunden hatte, welche es ermöglicht, dass Sandwiches einen Monat halten, ohne im Kühlschrank aufbewahrt werden zu müssen . Wir wollten ihr eins davon schicken und vielleicht sogar selbst eins probieren. Wir fanden die Firma, aber außer einem großen Hund, der uns freundlich begrüßte, waren keine anderen Lebewesen vor Ort. Es war früher Nachmittag und eigentlich normale Geschäftszeit. Die Telefonnummer auf einem Plakat über der Eingangstür erwies sich als abgemeldet und eine Ansage, die uns an eine andere Telefonnummer verwies, garantierte nicht, dass da auch jemand abnehmen würde. Wir bekamen nur einen Anrufbeantworter, auf welchem ich die Nachricht hinterließ, dass wir ein Sandwich kaufen wollten, aber nicht warten konnten, da wir auf der Durchreise seien. Damit endete unser Bestreben, mit zu den Ersten zu gehören, die dieses patentierte Sandwich gegessen hatten. Wir schafften es nicht ganz bis Columbus an diesem Abend und da es zu dunkeln begann, als wir durch Deming fuhren, suchten wir einen Walmart, um die Nacht dort auf dem Parkplatz zu verbringen. Wir hatten schon so manche Nacht auf Walmart Parkplätzen verbracht, aber was uns in Deming erwartete, war schon recht ungewöhnlich. Dieser Walmart hatte eigens einen Sicherheitsbeamten angestellt, der mit Blaulicht auf dem Parkplatz herum fuhr und die Lastwagen auf der einen Seite des Parkplatzes und die Camper, Wohnmobile und Wohnbusse auf der anderen Seite des Parkplatzes zum Übernachten einwies. Es waren auch sehr, sehr viele dieser Fahrzeuge, die dort die Nacht verbringen wollten (der Walmart liegt in Sichtweite der Interstate 10 = Autobahn) und es war vielleicht ganz sinnvoll, einen Ordnungshüter zu engagieren. Als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster schauten, bot sich uns ein ungewöhnlicher Anblick: Hinter uns standen Rücken an Rücken ein Wohnbus mit GB Nummernschildern und ein Campingbus mit deutschen Nummernschildern (siehe Fotos). Da ich noch nicht angezogen war, zog Chuck los, dies zu fotografieren. Gerade als er anfing die Bilder aufzunehmen, kamen die beiden Männer aus ihren jeweiligen Fahrzeugen. Natürlich entwickelte sich ein Gespräch und ich hüpfte ganz schnell in meine Klamotten, um mir nichts entgehen zu lassen. Somit lernten wir Gill und Chris Love aus Southampton, England sowie Margarita und Peter Soukup aus Offingen bei Augsburg kennen. Es war Zufall, dass die beiden Europäer so nah beieinander geparkt hatten; sie kannten sich vorher nicht. Genau wie wir, sind sie als Pensionäre Vagabunden geworden, haben ihr Haus und Wohnung aufgegeben und treiben sich nun in den USA herum. Da uns deutsche Vagabunden mit deutschen Nummernschildern noch nie über den Weg gelaufen waren und ich dies erwähnte, erklärten uns Peter und Margarita, dass sie schon einige getroffen hätten. Und wie’s der Zufall will, ein paar Tage später trafen wir ein jüngeres Ehepaar aus Dormund (mit Hund: einem wunderschönen Leonberger) auf unserem derzeitigen Campingplatz im Pancho Villa State Park, wo wir am Nachmittag eintrafen, nachdem wir die Bekanntschaft von Chris, Gill, Margarita und Peter gemacht hatten. Die Dortmunder sind schon seit Juli 2005 quer durchs Amiland unterwegs und hatten Peter und Margarita, die im November 2005 aus Deutschland gekommen sind, auch schon kennen gelernt. Wie klein die Welt doch manchmal ist. Am Wochenende kam uns Dick besuchen. Wir boten ihm an, bei uns zu übernachten, aber er wollte lieber zelten. Nach einigem Hin und Her einigten wir uns zu einem Kompromiss, der elektrisches Licht und elektrische Heizung einschloss, denn die Nächte sind noch ziemlich kalt (siehe Fotos). Dick verließ uns am Montag nach dem Frühstück und wir machten uns auf zum Zahnarzt in Mexiko, wo wir bis auf weiteres in Behandlung sein werden. Nach unserem Antrittsbesuch in der Zahnklinik, fuhren wir nach Lake Valley, einer anderen Geisterstadt, die eine bewegte Vergangenheit hat und ihr Entstehen um 1878 einer Silbermine verdankt. Bis 1994 lebte sogar noch eine Familie in einem der Häuser, obwohl vom Rest des Ortes nicht mehr viel übrig geblieben war. Damit beenden wir unseren Februarbericht und melden uns wieder im nächsten Monat. |
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